collapse

* Menü

* Wer ist online?

  • Punkt Gäste: 1
  • Punkt Versteckte: 0
  • Punkt Mitglieder: 0

Es sind keine Mitglieder online.

Autor Thema: Rückführung  (Gelesen 9080 mal)

Idan

  • Neuling
  • *
  • Thank You
  • -Given: 0
  • -Receive: 0
  • Beiträge: 32
Rückführung
« am: 07. September 2012, 16:45:42 »
Vor längerer Zeit habe ich nach einiger Vorbereitung eine Rückführung gemacht. Da ich mich selbst für grundsätzlich nicht unerfahren halte, was geistige Reisen angeht  :)) habe ich die Rückführung mit Unterstützung einer CD selbst gemacht.

Ich habe bisher nichts über die Rückführung gepostet gehabt, weil Rückführungen mit Vorsicht zu genießen sind. Ähnlich wie bei anderen Traumreisen und Hypnose-Erfahrungen mischen sich Erinnerungen mit Fantasy, Realität mit Vorstellung. Auch in meiner Rückführung hat sich einiges reingemischt aus meinem Unterbewusstsein, was da nicht reingehörte.

Ursprünglich wollte ich deswegen gar nichts posten über mein Rückführungserlebnis. Aber auf anderen Seite könnte ich auf diese Weise demonstrieren, wie meine Original-Erfahrung ausssieht, was ich daraus an Fantasie herausinterpretiere und was an potenziell echten Rest übrig bleibt. Das könnte gerade für die jüngeren und unerfahreneren ein interessanter Beitrag werden.

Mein Rückführungserlebnis:

Es beginnt damit, dass ich als Mädchen / junge Frau am Strand bin. Ich habe zwei kleinere Schwestern, die im Kies Muscheln sammeln. Ich selbst stehe auf einem Felsen, schaue aufs Meer und halte immer wieder ein Auge auf meine Schwestern.

Wir tragen alle drei weiße Kleider, die über die Knie gehen und im Wind wehen. Meine Schwestern sind leicht gebräunt und blond. Ich nehme an, dass ich ähnlich aussehe, kann mich aber nicht erinnern, wie ich genau aussehe.

Ich lebe im Osten einer großen Insel. Ich nenne mich Murienn fran Dunn. Ich fühle mich tief mit dem Land verwurzelt und spüre, dass meine Ahnen schon sehr lange hier gelebt haben. Das ist ein wichtiges Thema für mich, denn im Osten der Insel leben fremde Menschen. Ich nenne sie Eindringlinge. Sie sind vom Osten übers Meer auf die Insel gekommen, haben einige alte Nachbarvölker bekriegt und deren Land geraubt. Nun rücken sie immer näher und ich habe Angst um mich, mein Volk und die Zukunft meiner Schwestern.

Mein Vater ist ein Anführer unserer Gruppe und ich fühle mich für sein Land und sein Volk verantwortlich, auch wenn ich nicht die Anführerin bin. Trotzdem bin ich wie er.

Neue Szene:
Ich werde heiraten. Ich habe meinen Vater dazu überredet, den Sohn eines Anführers der Eindringlinge zu heiraten. Ich hoffe, dass damit unserVolk nicht überrrannt und vernichtet wird von den Eindringlingen im Osten, sondern dass mein Volk überleben kann. Mein Vater war nicht einverstanden, er würde lieber kämpfen. Wir haben schon einmal Eindringlinge aus dem Süden vertrieben, wir können es auch mit denen aus den Osten aufnehmen. Ich widerspreche, dass die alten Völker im Osten stärker und größer waren als wir es sind und es nicht geschafft haben. Er gibt nacht und fragt mich, wen ich heiraten will.

Mein Vater lädt drei Könige der östlichen Eindringlinge ein mit deren Söhnen. Ich entscheide mich für den größten und stärksten von Ihnen. Ich nenne ihn Erik. Ich hoffe, dass ich durch ihn einen starken Sohn bekomme, der als Herrscher über das alte Volk und über die Neuankömmlinge bestehen kann.

Neue Szene:
Ich heirate. Damit mein Sohn auch von meinem Volk akzeptiert wird, ist es wichtig, dass wir nach den Bräuchen meines Volkes heiraten. Es gibt ein großes Fest. Ich erinnere mich an ein riesiges Feuer. Ein Hirsch wird gejagt und getötet. Erik bekommt den Kopf des Hirsches als Trophäe und setzt ihn auf wie eine Krone.

Neue Szene:
Ich habe ein Kind. Es ist leider ein Mädchen. Ich hatte sehr auf einen Jungen gehofft. Ich rede mit der Hebamme. Sie sagt mir, dass nicht Frauen schuld sind, ob Mädchen oder Jungen geboren werden, sondern Männer. Manchee Männer können nur Mädchen zeugen, andere zeugen nur Jungen. Deswegen hatten die großen Königinnen in der alten Zeit oft mehrere Männer, um sicherzustellen, dass sie auch Söhne hatten.

Die Hebamme rät mir, Erik zu betrügen mit einem anderen Mann, der bereits Söhne gezeugt hat, um einen Sohn zu bekommen. Ich habe Angst davor, denn es ist üblich, dass eine Frau treu ist. Aber ich brauche einen Sohn für mein Volk.

Ich suche mir einen Mann aus den Kriegern von Eriks Armee aus. Es gibt einen, der sehr groß und stark ist. Er hat schon mit vielen Frauen geschlafen und hat viele uneheliche Söhne gezeugt. Es ist leicht, ihn dazuzukriegen, mit mir zu schlafen. Er ist nicht so zärtlich wie Erik.

Die Erziehung meiner Tochter überlasse ich meinen Schwestern.

Neue Szene:
Es hat geklappt, ich habe einen Sohn. Erik und ich sind sehr glücklich. Erik will ihn von Anfang an zum Krieger erziehen. Ich erkläre mich einverstanden, lege aber auch wert darauf, dass er auch die Geschichten meines Völkes lernt und die Gebräuche, da er über zwei Völker regieren muss. Erik ist einverstanden. Er ist immer mit meinen Kompromissen einverstanden und schätzt meine Weisheit. Ich liebe ihn sehr dafür.

Neue Szene:
Der Krieger hat im Suff geredet. Erik weiß, dass unser Sohn nicht von ihm ist. Er ist sehr traurig und verletzt. Und er macht sich Sorgen um die Nachfolge. Ich erkläre ihm, dass in meinem Volk das Erbe über die Mutter erfolgt und er das Reich meines Vaters auf jedenfall erhält. Der Krieger wiederum stammte aus dem Volk von Erik und kann sich somit auch da Anerkennung verschaffen. Ich erkläre ihm, dass es wichtig war, einen Sohn zu zeugen. Wir haben inzwischen weitere Kinder, alles Mädchen, wie die Hebamme es vorhergesagt hatte.
Erik zeigt Verständnis. Aber schläft nicht mehr bei mir, nie wieder.

Neue Szene:
Mein Sohn hat sich eine Braut gesucht. Ich hasse sie. Sie sie ist ganz bleich, schmal und hellblond. Sie sieht aus wie ein Geist und sie hat keine Charakterstärke. Sie ist ein nutzloses, blasses Ding, das keine starken Söhne hervorbringen kann. Aber mein Sohn hört nicht auf mich. Er ist wie sein leiblicher Vater, er denkt mit dem Schwert in der Hand und mit dem Schwert zwischen den Beinen. Aber nicht mit dem Kopf.

Meine älteste Tochter hasst ihre Schwägerin auch. Sie sieht, was ich sehe und sie versteht, dass ich die bleiche Gestalt für unfähig zur Königin halte. Zum ersten Mal fühle ich mich meiner ältesten Tochter eng verbunden. Nicht als Mutter und Tochter, sondern als Verbündete zur Rettung unseres Volkes.

Neue Szene:
Meine Tochter hat einen Plan. Sie will mit ihrem Halbruder schlafen und einen Thronfolger zeugen, ehe er es mit der bleichen blonden tut. Ich bin einverstanden. In der alten Zeit waren Ehen zwischen Geschwistern durchaus möglich, um das Erbe zu erhalten. Und meine Tochter besitzt mehr Stärke und Weisheit als die bleiche Blonde.

Ich helfe meiner Tochter, ihre Haare abzurasieren und aus der Mähne eines Pferdes nähe ich eine blonde Perrücke. Eine bestochene Wäscherin besorgt mir ein Kleid meiner Schwiegertochter. Bei einem Fest bringe ich meinen Sohn volltrunken in sein Zelt. Ich sage ihm, dass ich ihm seine Frau schicken würde, damit sie sich um ihn kümmert. Statt dessen geht meine Tochter zu ihm, verkleidet als ihre Schwägerin. Währenddessen lenke ich meine Schwiegertochter ab und mache mit ihr einen langen Spaziergang. Ich tue so, als würde ich mich mit ihr anfreunden wollen.

Stolz erzählt sie mir, dass sie schwanger ist und streichelt sich über den Bauch, der sich unter dem blauen Satin leicht wölbt. Ich bekomme Panik, der Plan droht zu scheitern.

Ich rede mit einer Hebamme. Sie erzählt mir, dass es Möglichkeiten gäbe für eine Frau, die nicht mehr schwanger sein will. Ich erzähle ihr, ich sei nochmal schwanger geworden, fühle mich aber inzwischen zu alt, um noch einmal Mutter zu werden, schließlich erwarte ich bald Enkel. Sie hat Verständnis und gibt mir ein Mittel, ein Kind loszuwerden.

Ich sorge dafür, dass meine Schwiegertochter es in den Wein gemischt bekommt.

Neue Szene:

Es hat alles geklappt. Meine Schwiegertochter hat ihr Kind verloren. Ich tue so, als wollte ich sie trösten und pflege sie mit anderen Frauen zusammen. Insgeheim aber bedaure ich nur, dass das Mittel nicht stark genug war, dass auch sie starb.

Meine Tochter hingegen ist ebenfalls schwanger. Ich schicke sie in den Norden. Dort hat ein befreundetes Volk eine kleine Insel mit einem Tempel. Dort gibt es Priesterinnen und Hebammen werden dort ausgebildet. Dort kann sie gefahrlos meinen Enkel gebären und großziehen in den Traditionen meines Volkes. In der Nähe von Erik wäre es zu gefährlich, jemand könnte was ahnen und dem Kind was antun.

Neue Szene:

Mein Sohn ist ein schwacher König. Er hat die Völker zwar gut geeint, aber ich bin unzufrieden mit seiner Regentschaft. Ich will seine Frau loswerden und hoffe, dass er durch eine neue Frau vielleicht mehr Stärke lernen und beweisen kann. Ich merke, dass ich alt werde und ihn nicht ständig belehren kann. Er braucht eine neue Frau, die stark ist und die Führung übernimmt.

Von seinem leiblichen Vater gibt es jede Menge uneheliche Bastarde, die als Krieger im Heer meines Sohnes dienen. Sie sind alle gleich, ständig betrunken, am Kämpfen oder hinter Frauen her. Ich rede meinem Sohn die Angst ein, dass die Krieger über seine Frau herfallen könnten, da sie doch so zart und hübsch sei. Ich überrede ihn dazu, ihr einen Leibwächter beiseite zu stellen.

Gerrit wird Leibwächter. Er ist der größte und stärkste unter den Kriegern und mein Sohn glaubt, dass er damit jeden besiegen kann, der sich an meine Schwiegertochter vergreifen will. Aber Gerrit hat denselben Vater wie mein Sohn und natürlich fängt er was mit meiner Schwiegertochter an.

Meinem Sohn bleibt nichts übrig, als seine Frau zu verstoßen und Gerrit zu vertreiben. Sie verlassen gemeinsam die Insel.

Mein Sohnn fühlt sich alleine und verlassen. Er hat Angst um sein Reich, er braucht einen Nachfolger. Ich tröste ihn, dass die Götter einen Weg finden werden. Dass er bereits einen Sohn hat, der im Norden großgezogen wird, verrate ich ihm noch nicht. Es ist noch zu früh.

Neue Szene:

Ich bin alt und schwach. Ich fühle, dass ich bald sterben werde. Mein Enkelsohn ist fast erwachsen und bald bereit, die Thronfolge anzutreten. Ich fürchte, dass ich es nicht mehr erleben werde, wie er seinen Vater kennen lernen wird. Ich liege viel im Bett. Ich bin zu schwach zum aufstehen. Ich denke viel nach. Ich bereue es, meinen Mann betrogen zu haben. Ich glaube, dass es ein Fehler war, unbedingt einen Sohn haben zu wollen. Meine Tochter wäre bei weitem eine bessere Herrscherin gewesen als mein Sohn es war. Ich hätte meine Tochter gut verheiraten sollen mit einem Herrscher von den östlichen Fremden, das hätte ein besseres Reich gegeben.

Ich fühle viel Schuld gegenüber meinem verstorbenen Mann und hoffe, dass meine Tochter und mein Enkel die Fehler wieder gut machen, die ich angerichtet habe.

Dann wird alles schwarz.

_________________

Soweit die Rückführung, nun die Analyse:

Wie einige bereits gemerkt haben, mischt sich in mein Rückführungserlebnis einiges aus dem Artus-Mythos. Da ist der Kampf der Inselkelten in Britannien gegen die Sachsen, die Britannien erobern, nachdem die Römer gegangen sind. Da ist der Geschwister-Inzest zwischen König Artus und seiner Halbschwester Morgana, die treulose Ehefrau Gwenyfar die mit Lanzelot durchbrennt und der uneheliche Sohn Mordred, Artus und Morganas Kind, der an den Thron Englands strebt.

Da ich nicht wirklich glaube, die Mutter von König Artus gewesen zu sein - die im Übrigen Igraine hieß und nicht Murienn - muss ich nun ganz genau gucken, welche Elemente aus der Artus-Sage stammen und welche Elemente wirklich von mir kommen. Dazu hilft es natürlich, sich die Elemente herauszusuchen, die im WIDERSPRUCH zur Artussage stehen. Und da gibt es doch einige:

In der Artussage ist Artus ein rein keltischer König mit keltischen Eltern aus zwei keltischen Stämmen.

Mein Sohn hingegen war ein Mischling, von meiner Seite keltisch, von Vaters Seite sächsisch. Das ist ein Unterschied, der auf echter Erinnerung beruhen könnte, ich habe wahrscheinlich wirklich einen Mann aus einer anderen Kultur geheiratet, um zwischen den Völkern zu vermitteln.

Auch das hat Igraine nicht getan.

Auch der Name ist anders, ich nannte mich Murienn fran Dunn. Es gibt tatsächlich einen keltischen Mädchennamen, der heute Muireann lautet. Er bedeutet "weißes Meer / helles Meer". "Fran Dunn" könnte vielleicht "von den Dunnoniern" bedeuten. Die Dunnonier waren ein keltisches Volk im Südwesten Englands, die im Gebiet vom heutigen Sommerset und Devon lebten. Interessanterweise sollte König Artus Mutter Igraine aus Cornwall kommen, das in der Nähe liegt.

Artus' Vater war König Uther Pendragon, der Vater von Morgana war König Gorlois. Der Vater meines Sohnes war kein König, sondern ein Krieger aus dem Gefolge von Erik. Das passt gar nicht zusammen und spricht dafür, dass dieser Teil echt sein könnte und ich vielleicht wirklich mit einem Ritter meines Mannes geschlafen habe. 

Beim gesamten Rest meiner Rückführung könnte es sich um reine Fantasie handeln, bzw. Zugaben meines Unterbewusstseins, um die Rückführung mit Inhalten zu füllen.

__________________

Was bedeutet die Rückführung für mich?

Wenn ich vor allem an mein "älteres Ich" denke, die Murienn auf dem Sterbebett, die ihr Leben überdenkt, dann empfinde ich Demut. Murienn war sehr dominant und hat sehr stark versucht, sich überall einzumischen, die Menschen um sich herum zu kontrollieren und die Geschicke eines ganzen Volkes zu lenken. Dabei hat sie sich aber auch ein Stück weit verrannt. Einige Sachen waren gut, wie sie waren. Sie hatte mit Erik den richtigen, guten Ehemann und sie hatte die richtige Tochter, die als Herrscherin ihres Volk klug, stolz und aufopferungsvoll war. Es war alles gut und es hätte alles gut werden können, wie es ist. Murienn hat durch ihren Glauben, unbedingt einen Sohn haben zu müssen, viel kaputt gemacht und sich selbst viel Arbeit. Hätte sie ihre Tochter den Thron besteigen lassen und ihr vielleicht nur geholfen, einen passenden Gatten zu finden, der das Reich beider Völker bewahrt, hätte sie  sich den Rest ihres Lebens zurück lehnen können und die Liebe mit ihrem Mann genießen können.

Manchmal sind die Dinge gut, wie sie sind und man muss sie einfach loslassen. Auch wenn es aussieht, als sei alles verloren, es findet sich.

Das ist die große Lebenslektion von Murienn. Ich werde mich bemühen, dies in meinem jetzigen Leben umzusetzen. Ich glaube, das macht das Hexe-sein aus. Nicht der Glaube an Reinkarnation oder die Fähigkeit, eine Rückführung zu machen. Das kann jeder. Aber eine Hexe lernt daraus, wächst an der Erfahrung und verändert sich. Das macht mich zum Hexer.

Jade

  • Neuling
  • *
  • Thank You
  • -Given: 0
  • -Receive: 0
  • Beiträge: 20
Re: Rückführung
« Antwort #1 am: 07. September 2012, 20:05:53 »
Diese Rückführung ist sehr interessant. Ebenso die Analyse und die Bedeutung für dich.
Danke, dass du uns das alles erzählt hast.

Deine beiden letzten Sätze gefallen mir am besten.

Sturmschwinge

  • Administrator
  • Neuling
  • *****
  • Thank You
  • -Given: 0
  • -Receive: 0
  • Beiträge: 33
Re: Rückführung
« Antwort #2 am: 08. September 2012, 21:48:44 »
Ich persönlich finde dieses Thema echt interessant und es echt schön, dass du die Erfahrung mit uns geteilt hast

Ich finde es persönlich auch ziemlich mutig, so etwas zu machen.

Ich habe auch schon von Leuten gehört, die eine Rückführung gemacht haben und dabei Ihren Tod bzw. die Sekunden davor noch einmal erlebt haben und dies ziemlich verstörend sein soll.


Würde es auch gerne einmal machen, aber ich habe auch eine gewisse Erfurcht davor, wer weiß, was dabei rauskommen würde...
~Es ist leicht, das zu zerstören, was wir falsch oder gar nicht verstehen ~

Idan

  • Neuling
  • *
  • Thank You
  • -Given: 0
  • -Receive: 0
  • Beiträge: 32
Re: Rückführung
« Antwort #3 am: 09. September 2012, 08:31:12 »
An meinen Tod konnte ich mich nicht erinnern, meine Rückführung endete einfach mit einer großen Dunkelheit. Was vielleicht auch besser so ist.

Verstörend war es für mich allerdings schon, wenn auch in anderer Hinsicht. Ich war in der Rückführung ein anderer Mensch als ich es heute bin und ich hatte Gefühle und Gedanken, die mir heute völlig fremd sind.

Als ich z.B. meine Schwiegertochter gepflegt habe und dabei nur so tat, als würde ich mich um sie sorgen, in Wahrheit aber wütend war, dass sie nicht gestorben ist bei der Fehlgeburt; solche Gedanken sind für mich heute nicht mehr nachvollziehbar, aber ich habe es gefühlt und gedacht. Ich war dermaßen verlogen und intrigant in der Rückführung, wie ich es überhaupt nicht kenne.

Oder auch das ständige Gefühl der Verantwortlichkeit für eine große Gruppe Menschen. Das ist mir auch fremd. In meinen heutigen Leben strebe ich sehr nach Freiheit und Unabhängigkeit. Verantwortung ist immer eine Bindung, die einen beschränkt. Ich will mich hingegen möglichst entfalten und ausdrücken. Ständig und immerzu mein Leben auf andere Menschen und deren Wohl auszurichten, ja sogar die Männer in meinem Bett danach auszusuchen, was das Beste für das Wohl aller ist. Das ist für mich heute undenkbar, war aber in meiner Rückführung absolute Selbstverständlichkeit und der Grund, warum ich meine Schwiegertochter so gehasst habe. Mein Sohn hatte nicht die Königin eines Landes gewählt, sondern ein Betthäschen für sein Vergnügen.

Unfassbar, unvorstellbar, aber in der Rückführung mein normales ich.

Ich denke, Rückführungen sind immer ein Stück verstörend, weil man früher ein anderer Mensch war als heute. Ich weiß auch nicht, ob ich Rückführend empfehlen würde. Wenn ich mir vorstelle, man war im früheren Leben vielleicht ein Mörder oder Kinderschänder und holt sich diese Gedanken durch eine Rückführung wieder in den Kopf. Das kann einen sicherlich völlig in den Wahnsinn treiben.

Meine Rückführung verlief sehr gut und leicht, aber das war bereits an der Grenze des Erträglichen für mich.

Sturmschwinge

  • Administrator
  • Neuling
  • *****
  • Thank You
  • -Given: 0
  • -Receive: 0
  • Beiträge: 33
Re: Rückführung
« Antwort #4 am: 15. September 2012, 17:30:37 »
Naja früher war halt alles anders...

Besonders wenn man die Umstände betrachtet, die dein früheres Ich umgeben haben.

~Es ist leicht, das zu zerstören, was wir falsch oder gar nicht verstehen ~